Ein Serverausfall, ein defekter Internetzugang, ein Brand im Serverraum: Nicht jeder IT-Notfall ist ein Angriff. Ein guter Notfallplan passt auf eine Seite, steht ausgedruckt im Büro und beantwortet im Ernstfall vier Fragen: Was läuft nicht, wer entscheidet, wen rufen wir, was kommt zuerst zurück?
Zur Abgrenzung: Für Ransomware gibt es einen eigenen Ablauf mit Meldefristen, siehe Ransomware-Notfallplan. Diese Vorlage deckt Ausfälle allgemein ab.
Zwei Begriffe, die den Plan bestimmen
- Wiederanlaufzeit (RTO): Wie lange darf ein System höchstens ausfallen, bevor es für den Betrieb kritisch wird?
- Datenverlust (RPO): Wie viele Stunden an Daten dürfen im schlimmsten Fall verloren gehen? Das bestimmt, wie oft gesichert wird.
Beide Werte legt die Geschäftsleitung fest, nicht die IT. Denn sie entscheiden, was die Absicherung kostet.
Teil 1: Kritische Systeme
Listen Sie die Systeme auf, ohne die Ihr Betrieb nicht arbeiten kann, und legen Sie Werte fest. Die Zahlen unten sind Beispielwerte.
| System | Max. Ausfallzeit (Beispiel) | Max. Datenverlust (Beispiel) | Zuständig |
|---|---|---|---|
| E-Mail und Kalender | 4 Stunden | 1 Stunde | IT-Dienstleister |
| ERP / Warenwirtschaft | 4 Stunden | 1 Stunde | IT-Dienstleister und Fachbereich |
| Dateiablage | 8 Stunden | 4 Stunden | IT-Dienstleister |
| Telefonie | 2 Stunden | nicht relevant | IT-Dienstleister |
| Internetzugang | 2 Stunden | nicht relevant | Provider und IT-Dienstleister |
Teil 2: Rollen und Kontakte
Schreiben Sie Namen und Telefonnummern auf, auch private Nummern, und drucken Sie die Seite aus. Im Notfall sind E-Mail und Netzwerk vielleicht nicht verfügbar.
| Rolle | Aufgabe | Name und Telefon |
|---|---|---|
| Entscheidung | Priorisieren, Freigaben, Kommunikation nach außen | _____ |
| Technische Leitung | Eindämmen, Analysieren, Wiederherstellen | _____ |
| Vertretung | Übernimmt, wenn die Leitung nicht erreichbar ist | _____ |
| IT-Dienstleister | Unterstützung, vereinbarte Reaktionszeit | _____ |
| Provider und Lieferanten | Internet, Telefon, kritische Software | _____ |
Teil 3: Wiederanlauf-Reihenfolge
Legen Sie vorab fest, in welcher Reihenfolge Systeme zurückkommen, damit im Ernstfall nicht diskutiert werden muss.
- Netzwerk und Internet: ohne sie geht nichts weiter.
- Anmeldung und Konten: damit Mitarbeitende überhaupt arbeiten können.
- E-Mail und Telefonie: Erreichbarkeit für Kunden und Team.
- ERP und Fachanwendungen, die den Betrieb tragen.
- Dateiablage und Rest: nach Priorität der Abteilungen.
Teil 4: Üben und aktuell halten
- Einmal im Jahr durchspielen: Ein halber Tag mit einem Szenario, einem wirklich zurückgespielten System und gemessener Zeit.
- Kontakte prüfen: Telefonliste mindestens halbjährlich und nach Personalwechsel aktualisieren.
- Änderungen einarbeiten: Neue Systeme oder Lieferanten in die Liste aufnehmen.
- Lücken festhalten: Was beim Üben nicht klappte, kommt in den Plan.
Den Ablauf einer Übung beschreibt auch der Beitrag Ransomware-Notfallplan, die technische Seite die Seite zu Backup und Notfall-Wiederanlauf.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Notfallplan sein?
So kurz, dass er im Ernstfall gelesen wird: eine Seite für den Einstieg, Details in Anhängen.
Wer legt die Ausfallzeiten fest?
Die Geschäftsleitung. Die IT setzt um und zeigt, was die jeweilige Absicherung kostet.
Reicht ein digitaler Plan?
Nein, bewahren Sie ihn auch ausgedruckt auf. Im Notfall sind Netzwerk und E-Mail womöglich nicht verfügbar.
Wie oft sollte man üben?
Mindestens einmal im Jahr, kritische Systeme häufiger.
Gehört ein Notfallplan zu NIS2?
Ja, Business Continuity und Vorfallbewältigung gehören zu den geforderten Maßnahmen. Mehr in der NIS2-Beratung.
Die Werte in den Tabellen sind Beispiele. Ihre Zahlen ergeben sich aus Ihrem Betrieb und den Anforderungen Ihrer Kunden.
Notfallplan gemeinsam aufsetzen
Wir erstellen mit Ihnen einen konkreten Notfallplan, richten ein belastbares Backup ein und üben den Wiederanlauf, bevor es ernst wird.
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