KI & lokale LLMs

EU AI Act für KMU: was Betriebe wissen müssen, die KI nur einsetzen

Der EU AI Act ist die erste umfassende Regulierung von Künstlicher Intelligenz. Die meisten Mittelständler entwickeln keine KI, sondern setzen sie ein, und dafür gelten andere Pflichten als für Hersteller. Dieser Beitrag ordnet ein, was heute schon gilt und was Sie vorbereiten können.

Wichtig: Stand: Oktober 2026. Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) gilt gestaffelt, und auf EU-Ebene werden Änderungen an einzelnen Fristen diskutiert. Dieser Beitrag ist eine Orientierung und keine Rechtsberatung. Prüfen Sie den aktuellen Stand und Ihre konkrete Betroffenheit mit rechtlicher Begleitung.

Die Grundidee: Regeln nach Risiko

Der EU AI Act teilt KI-Systeme nach Risiko ein. Je höher das Risiko für Menschen, desto strenger die Regeln.

StufeBedeutungBeispiele
VerbotenPraktiken mit inakzeptablem RisikoManipulative Techniken, Bewertung von Personen nach sozialem Verhalten (Social Scoring)
Hohes RisikoStrenge Anforderungen an Anbieter und BetreiberKI bei Personalauswahl, Kreditwürdigkeit, kritischer Infrastruktur
TransparenzpflichtenNutzer müssen informiert werdenChatbots, die mit Menschen sprechen, künstlich erzeugte Inhalte
Minimales RisikoKaum PflichtenRechtschreibhilfe, Filter, die meisten Büro-Anwendungen

Anbieter oder Betreiber: Sie sind meist Betreiber

Der AI Act unterscheidet zwischen Anbietern, die KI-Systeme entwickeln oder in Verkehr bringen, und Betreibern, die sie im eigenen Betrieb einsetzen. Wer Microsoft Copilot, ChatGPT oder ein lokales Modell im Betrieb nutzt, ist in der Regel Betreiber.

Für Betreiber gelten vor allem: ausreichende KI-Kompetenz der Mitarbeitenden, bei Hochrisiko-Systemen zusätzliche Pflichten (Nutzung nach Anleitung, menschliche Aufsicht, Protokolle) und Transparenz gegenüber Personen, wenn sie mit KI interagieren.

Was schon gilt

  • Verbotene Praktiken: Die Verbote gelten seit Februar 2025.
  • KI-Kompetenz: Anbieter und Betreiber müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Das gilt ebenfalls seit Februar 2025 und betrifft damit schon heute jeden Betrieb, der KI einsetzt.
  • Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (wie große Sprachmodelle) gelten für deren Anbieter seit August 2025.

Weitere Pflichten, vor allem für Hochrisiko-Systeme und Transparenz, sind gestaffelt vorgesehen. Wann sie genau greifen, sollten Sie mit aktuellem Stand prüfen, weil auf EU-Ebene Anpassungen besprochen werden.

Was Sie als Betrieb jetzt tun können

  1. Bestandsaufnahme: Welche KI-Werkzeuge werden im Betrieb genutzt, auch ohne Wissen der Geschäftsleitung (Schatten-KI)?
  2. Einordnung: Fällt eine Anwendung in eine Hochrisiko-Kategorie, etwa bei Bewerberauswahl oder Kreditentscheidungen? Dann Rechtsberatung einbeziehen.
  3. Richtlinie: Eine kurze KI-Richtlinie mit Datenklassen und freigegebenen Werkzeugen aufsetzen.
  4. Schulung: KI-Kompetenz der Mitarbeitenden aufbauen und dokumentieren.
  5. Transparenz: Wo Kundinnen und Kunden mit einem KI-System sprechen, offenlegen, dass es KI ist.

Eine Vorlage für die Richtlinie steht im Beitrag Schatten-KI und KI-Richtlinie.

Häufige Fragen

Gilt der EU AI Act auch für kleine Unternehmen?

Ja, grundsätzlich für alle, die KI-Systeme in der EU einsetzen oder anbieten. Für kleine und mittlere Unternehmen sind teils Erleichterungen vorgesehen, vor allem bei Pflichten für Anbieter.

Müssen wir unsere Mitarbeitenden schulen?

Der AI Act verlangt ausreichende KI-Kompetenz, nennt aber kein festes Format. Eine dokumentierte Schulung ist ein nachvollziehbarer Weg. Mehr unter KI-Schulung.

Ist Copilot oder ChatGPT ein Hochrisiko-System?

Als allgemeines Werkzeug im Büro in der Regel nicht. Entscheidend ist der Einsatzzweck: Wird KI etwa für Personalentscheidungen genutzt, kann eine Hochrisiko-Einstufung relevant sein.

Was passiert bei Verstößen?

Der AI Act sieht Bußgelder vor, abhängig von Art und Schwere des Verstoßes. Die Höhe und Zuständigkeit bei Behörden ist national zu klären.

Wo fangen wir an?

Mit einer Bestandsaufnahme der genutzten Werkzeuge und einer kurzen Richtlinie. Im kostenlosen KI-Assessment ordnen wir Ihre Anwendungsfälle ein.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Die verbindliche Einordnung Ihres Einsatzes sollten Sie mit rechtlicher Begleitung vornehmen.

Wo setzen Sie KI schon ein, vielleicht ohne es zu wissen?

Im kostenlosen KI-Assessment (30–45 Minuten, remote) ordnen wir Ihre Anwendungsfälle ein und geben eine klare Empfehlung.

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